1990

Demonstration auf dem Marktplatz

Eine entscheidende Änderung für das Büromaschinenwerk war der Staatsvertrag über die Einführung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, der am 1. Juli 1990 in Kraft trat. Die DM war nun einziges Zahlungsmittel in Deutschland. Das Büromaschinenwerk wurde rückwirkend zum 1. Juni 1990 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Betriebsleitung konzentrierte ihre Geschäftstätigkeit weiterhin auf dem Ostmarkt. Für 1.713 Arbeitsplätze wurde Kurzarbeit angezeigt. Teil des Sanierungskonzepts vom Oktober 1990 war ein massiver Personalabbau ab 1991. 2.500 Beschäftigte waren bereits in Rente und Vorruhestand gegangen. Das Unternehmen war mit seinen Produkten auf den Westmärkten nicht konkurrenzfähig. Die Zusammenarbeit mit anderen Großunternehmen in der Computerindustrie scheiterte daran, daß weltweit Überkapazitäten vorhanden waren. Die Entwicklung neuer Produkte bzw. die Konkretisierung weiterführungsfähiger Unternehmensteile wurde nicht verfolgt, so daß der Geschäftsbetrieb zum 31. Dezember 1991 eingestellt und die Belegschaft an allen Standorten mit insgesamt noch 8.291 Arbeitnehmern entlassen wurde. Ende März 1992 stand fest, daß sowohl eine Gesamt- als auch eine Teilverwertung des Unternehmensgeländes nicht durchführbar ist. Mit dem Konzept, das Gelände in einen Industriepark zu verwandeln, wurde der Grundstein zur Ansiedlung einer Vielzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen gelegt. Die Entscheidung für den Industriepark sollte die Zukunft für die Bewohner der Stadt Sömmerda und ihr Einzugsgebiet sichern.
Mit dem Beginn der Marktwirtschaft nach der Wiedervereinigung war das Ende für den inzwischen hoffnungslos veralteten Ziegeleibetrieb gekommen. Das Hermann-Werk wurde abgerissen und machte der 1990 gegründeten Aquarius Robotron Systems GmbH Platz.