1952

Kindertagessstätte

Am 3. Juni 1952 wurde das Rheinmetall-Werk in Sömmerda von der sowjetischen Regierung an die DDR zurückgegeben und zum volkseigenen Betrieb erklärt. Der neue Firmenname lautete jetzt: "VEB Mechanik Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda". Die wirtschaftlichen Probleme nahmen zu. Eine Absatzsteigerung war vorläufig nicht zu erwarten. Es kam zu mehreren Entlassungswellen im Werk. Gemeinsam mit der staatlichen Leitung wurden diese Entlassungen von SED und FDGB durchgeführt. Nicht nur bei Rheinmetall, auch in der ganzen DDR gab es immer mehr Gründe, sich gegen staatliche und betriebliche Machthaber zu wehren. 1953 kam es zu den größten politischen Unruhen, welche die DDR, abgesehen von ihrem Ende, in ihrer 40jährigen Geschichte erlebte.
Am 17. Juni 1953 kam es zur Demonstration. Auf dem Marktplatz versammelten sich rund 7000 Menschen. Die Forderungen hatten zwei Stoßrichtungen: die Veränderung der allgemeinen politischen Verhältnisse und die Verbesserung der sozialen Situation vor Ort. Tatsächlich änderte sich der politische und wirtschaftliche Kurs nach dem 17. Juni. Die Rheinmetall-Belegschaft erreichte durch ihren Streik das Ende der Entlassungen. Es kam zu einem langsamen Wiederanstieg der Beschäftigtenzahlen. Ab 1953 wurden ganz neue Artikel in das Fertigungsprogramm des Sömmerdaer Werkes aufgenommen. Es handelte sich hier hauptsächlich um Fotoapparate und Mopedmotoren. Später wurden weitere Massenbedarfsartikel in die Produktion aufgenommen. Die Büromaschinenproduktion blieb der tragende Bereich des Werkes. 1959 wurde das Werk um einen Betriebsteil in Worbis erweitert. Die Geräte wurden geräuschärmer und in neuer Verkleidung angeboten. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre wurde die Herstellung von Bürotechnik um ein Produkt erweitert, Lochkarten- und Lochstreifentechnik. Das Werk gehörte zu den 12 volkseigenen Betrieben, die vom Ministerrat der DDR für den Einsatz moderner Datenverarbeitungstechnik ausgewählt wurden. 1958 wurde das Sömmerdaer Werk wieder Teil eines größeren Firmenverbundes, der "Vereinigung Volkseigener Betriebe Datenverarbeitungs- und Büromaschinen" mit Sitz in Erfurt oder auch "VEB Büromaschinenwerk Rheinmetall Sömmerda". Die Produktion war weiter stark auf den Export ausgerichtet. An die UdSSR ging die Hälfte des gesamten Exports. Mit der Einhaltung der Exportverpflichtungen hat es im Jahr 1961 sehr schlecht gestanden. Die Planschulden und Finanzschulden wiesen Zahlen in Millionenhöhe auf. Die Massenflucht aus der DDR wurde 1961 mit dem Mauerbau gestoppt.
Von großer politischer und technischer Bedeutung war der Übergang von der Elektromechanik zur Elektronik. Dieser Schritt sollte realisiert werden. Während die westliche Industrieforschung vom hohen Entwicklungsstand in den USA profitieren konnte, mußte die DDR die Entwicklung aus eigener Kraft, mit großem Aufwand, hohen Kosten und nicht immer mit dem gewünschten Erfolg nachvollziehen. Die neue Technik erforderte einen Generationswechsel bei den Experten für Entwicklung und Konstruktion sowie strukturelle Veränderungen. Dem Elan des jungen Entwicklungsteams und dem politischen Druck war es zu verdanken, daß bis zur Leipziger Herbstmesse 1962 ein elektronischer Fakturierautomat, EFA 380, fertiggestellt werden konnte. Auch bei den Schreib- und Rechenmaschinen kam die Elektronik im Werk zur Anwendung.