1941

Dreifräßermeißel

Von 1941 bis 1943 erhöhte sich der Umsatz jährlich jeweils um ein Drittel. Durch die permanente Produktionssteigerung stand das Werk unter deutlichem Druck. Der Sömmerdaer Beitrag der Rheinmetall war die Konstruktion einer Zünderstellmaschine. Das größte Problem der Konzernleitung war der Arbeitskräftemangel. Auch in Sömmerda reichten die Arbeitskräfte für die geforderte Produktion nicht aus, daran konnte auch die völlige Einstellung der Büromaschinenproduktion nichts ändern. Die Menschen kamen aus 139 Gemeinden zu Fuß, per Fahrrad, Zug, Motorrad oder Omnibus. Die Belegschaft konnte nur vergrößert werden, indem der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte erhöht wurde. Anfang 1943 waren bereits 3.600 Menschen anderer Nationen als Zivilarbeitskräfte oder Kriegsgefangene im Sömmerdaer Werk beschäftigt. Im September 1944 wurde in Sömmerda ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald errichtet, jetzt wurden auch weibliche Häftlinge zum Arbeitseinsatz bei Rheinmetall gezwungen.
Am 3. April 1945 wurde das Sömmerdaer Werk auf Anweisung der Generaldirektion stillgelegt. Am 11. April 1945 waren vom Betrieb aus die ersten amerikanischen Panzer zu sehen. Nach einem zweistündigen Gefecht im Stadtpark wurde Sömmerda übergeben. Die gesamte Einrichtung des Montagesaales der Kreiselgeräte sowie Baugruppen sind durch die Amerikaner abtransportiert worden. Das umfangreiche Büromaschinenlager sowie die Einrichtung der OP-Säle wurden beschlagnahmt. Am 3. Juli zog die amerikanische Armee ab. Auf die Führungskräfte, Spezialisten und Konstrukteure des Werkes wollte sie allerdings nicht verzichten. Das sowjetische Militär löste die amerikanischen Soldaten als Besatzungsmacht ab. Auf Anordnung der sowjetischen Militärs wurde bei Rheinmetall wieder die serienmäßige Herstellung ziviler Produkte aufgenommen. Insbesondere sollten Schreib- und Rechenmaschinen für die Sowjetunion produziert werden. Im Winter 1945/46 setzte im Rahmen der Reparationsleistungen die Demontage des Werkes durch die sowjetischen Militärs ein. Insgesamt wurden 70 % des Werkes demontiert. Gerechtfertigt wurde diese Aktion damit, daß Rheinmetall Rüstungsbetrieb war. Bereits ab 1946 wurden wieder im großen Maßstab Büromaschinen hergestellt, man schaffte diese Produktionsergebnisse allerdings nur mit einem erheblichem Mehraufwand an Kosten. Außerdem kamen die großen Materialprobleme noch dazu. Dies wurde zum Dauerproblem und bis Anfang der 50er Jahre fehlte es am Notwendigsten. Ein großes Problem war die Unterversorgung mit Strom und Kohle, was sich besonders im harten Winter 1946/47 bemerkbar machte. Zu allem Unglück überschwemmte im Frühjahr 1947 das Hochwasser der Unstrut das Werk. Selbst unter diesen schwierigen Bedingungen wurden im Werk Erfindungen gemacht und umgesetzt. Tschucharow, Generaldirektor ab 1949, veränderte die Struktur des Betriebes. Er modernisierte den Maschinenpark und rationalisierte die Produktion. Eine technologische Vorplanung, die Mehrmaschinenbedienung sowie die Fließbandfertigung für die Montage der Schreib- und Rechenmaschinen wurde eingeführt. Eine Sanitätsstelle wurde ausgebaut. Eine Badeanstalt mit 20 Brausebädern und 15 Wannenbädern wurde errichtet, da das im ersten Weltkrieg entstandene Bad nicht mehr betriebstüchtig war. Der erste Werkskindergarten wurde am 7.11.1949 auf dem Werksgelände eröffnet. 1952 kam eine Kinderkrippe hinzu. Im selben Jahr wurde das erste betriebliche Erholungsheim geschaffen.
In den Nachkriegsjahren stieg die Zahl der Beschäftigten kontinuierlich. 1949 überschritt sie die 5000er-Grenze. Es wurden neue Kulturgruppen ins Leben gerufen. Durch den Umbau von Produktionsräumen entstand das Kulturhaus "1. Mai!", welches von den neu gegründeten Kulturgruppen genutzt wurde.
Die Beschäftigten der Rechenmaschinenabteilung konnten am 30. März 1951 die Fertigstellung der 100.000 Rheinmetall-Rechenmaschine feiern. Im Herbst 1951 war die 100.000 Addiermaschine fertig.