1932

Klein-Schreibmaschinen (Daumenschaltmaschinen)

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Rheinmetall ein weltumspannendes Büromaschinen-Vertriebsnetz aufgebaut. Durch die Einführung oder Erhöhung von Zöllen, einschneidende Devisenbestimmungen und Kontingentierungsbestrebungen wäre der Export in eine ganze Reihe von Ländern weggefallen. Das Management reagierte auf die Absatzschwierigkeiten mit Kurzarbeit und Entlassungen. Nun rückte man die preisgünstigeren Handrechenmaschinen mehr in den Vordergrund. Billigere Modelle konnten allerdings erst 1934 in Serie gehen. 1932 wollte die Direktion das gesamte Werk in Sömmerda außer dem Zünderbau stillegen, wozu es allerdings nicht kam.
Auf Grund von Wehrmachtsaufträgen konnte die Waffenentwicklung bald einen gewaltigen Umfang annehmen. Im Werk Sömmerda kam es bereits in der ersten Hälfte des Jahres 1933 zu einem staatlich gelenkten Aufschwung. Dies zeigte deutlich die Umsatzsteigerung.
Die Rheinmetall-Addiermaschine wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1933 zum ersten Mal präsentiert. Die Gesamtbeschäftigtenzahl stieg von 1.857 auf 3.812, also auf mehr als das Doppelte. Die Zahl der Arbeitskräfte in der militärischen Produktion verdreifachte sich nahezu. Auch die anderen Bereiche wurden immer mehr auf die Rüstung ausgerichtet. Mit diesen Entwicklungen des Jahres 1933 wurde eine Richtung eingeschlagen, die bis 1945 beibehalten wurde. In kurzer Zeit war die Rheinmetall Sömmerda ein nicht unbedeutendes Rädchen des nationalsozialistischen Regimes geworden.
1937 wurden die Sömmerdaer Büromaschinen über Auslandsvertretungen in 51 Ländern verkauft. Die zivile Produktionspalette wurde durch einen preßluftbetriebenen Handschleifapparat erweitert, die sehr beliebte Rheinmetall-Schleifhexe. Weiterhin wurden in dieser Zeit die Feuerwehrarmaturen in die Produktion aufgenommen. Von 1931 bis 1938 stieg der Zünderumsatz und machte das Sömmerdaer Werk zur führenden Zünderfabrik Deutschlands.
Der Produktionsanstieg bedingte den Neubau und die Modernisierung der Produktionsstätten. 1937 entstand der vierstöckige Gerätebau zur Herstellung elektrischer Bombenzünder und Aufladegeräte. Der Schreibmaschinen-Neubau kam 1938 dazu und 1939 ein Versandgebäude mit Luftschutzräumen und einem Operationssaal im Keller. Bis 1940 wurde ein Neubau für die Rechenmaschinenproduktion errichtet.