1914

Rheinmetall-Kanonen

Am 1. August 1914 erklärte das Deutsche Reich Rußland den Krieg. Vor dem Krieg hatte Rheinmetall seine Waffenprodukte vor allem an die späteren deutschen Kriegsgegner verkauft. Gut gerüstet für diesen Krieg war Rheinmetall mit seinen Produktionskapazitäten. Die Ehrhardtschen Unternehmen waren sorgfältig aufeinander abgestimmt, die Anlagen auf dem neuesten Stand. Alles war vorbereitet, um auf der Welle des ersten Weltkrieges ganz oben zu schwimmen.
Anfang Oktober gingen nun Staatsaufträge in Zündern, Richtmitteln, Pistolen und Maschinengewehren ein. Der Betrieb wurde erweitert. Die Belegschaft (auch Kriegsgefangene) wuchs während des ersten Weltkrieges auf 10.000 Beschäftigte.
Die Laborierbetriebe der Firma Dreyse & Collenbusch wurden in dieser Zeit durch drei große Gebäude erweitert. Es wurden ausschließlich Attilleriezündhütchen hergestellt. Jetzt arbeiteten hier 700 Beschäftigte. Bis 1913 gehörte die Firma mit ihrer Nieteproduktion zu den Marktführern.
Durch die vorherrschende Wohnungsnot entstand die Arbeitersiedlung auf dem Gartenberg, ein Ledigenwohnheim (heutiges Landratsamt), sowie Beamtenwohnhäuser.
Von den 10.000 Beschäftigten, die Rheinmetall Sömmerda im ersten Weltkrieg aufzuweisen hatte, blieben nach den Massenentlassungen nach Kriegsende gerade noch 15% übrig. Zunächst ging es darum, überhaupt wieder etwas zu produzieren. So entstanden Wasserhähne und Dampfarmaturen in der Zünderfabrik, Milchzentrifugen in der Maschinenfabrik. Hergestellt wurden außerdem elektrische Kochkisten und Autovergaser. Keiner dieser Produktionszweige war wohl ernsthaft als Basis für den betrieblichen Wiederaufbau vorgesehen. Es ging mehr darum, Zeit zu gewinnen, um durch weiterreichende Strategien neue Grundlagen für die Produktion zu schaffen. Eine zukunftsträchtige Entscheidung war der Einstieg in die Büromaschinenproduktion im Sommer 1919. Die Büromaschinenproduktion prägte die weitere Geschichte des Sömmerdaer Werkes in diesem Jahrhundert. Im April 1919 wurde eine eigene Lehrwerkstatt eingerichtet, um den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern. Ausgebildet wurden Lehrlinge für Metallberufe und kaufmännische Berufe.