Johann Leitzmann (24.09.1798 - 23.10.1877)

Dieser Mann paßt nicht direkt in die genannte Linie, da er einen anderen Geburtsort hat, aber den größten Zeitabschnitt seines Lebens im heutigen Sömmerdaer Stadtteil Tunzenhausen verbrachte. Gemeint ist der Pfarrer Johann Jakob Leitzmann, der sich um die Numismatik große Verdienste erworben hat. Johann Jakob Leitzmann wurde am 24. September 1798 als Sohn des Buchbinders Hermann Leitzmann in Erfurt geboren. Er besuchte ab 1813 das Erfurter Ratsgymnasium und absolvierte anschließend eine eineinhalbjährige Militärzeit. Daran schloß sich ab Ostern 1818 ein Theologiestudium in Halle an. Nach Abschluß des Studiums nahm er eine Stelle als Lehrer an der Predigerknabenschule in Erfurt an, weil in Erfurt keine Anstellung als Theologe möglich war. Um das Amt des Pfarrers, welches er in Riethgen im damaligen Kreis Weißensee in Aussicht hatte, übernehmen zu können, legte er 1825 in Magdeburg die erforderliche Prüfung ab. Da sich die Anstellung jedoch hinauszögerte, ergriff Leitzmann die Initiative und hielt in Riethgen eine Gastpredigt, was die Gemeinde auf seine Seite brachte. Damit wurden die Formalitäten beschleunigt. Am 20. Mai 1825 wird Leitzmann als Pfarrer in Riethgen angestellt. Sein Gehalt von ca. 200 Talern ermöglichte ihm jetzt auch zu heiraten. Aus der Ehe mit Johanne Christiane Buschmann gingen 7 Kinder hervor. Leitzmann hatte viel Mühe und Ärger, die heruntergekommene Pfarrstelle in Riethgen zu ordnen. Als er am 30. Juni 1831 auf die besser bezahlte Pfarrstelle nach Tunzenhausen wechselte, waren die Dinge in Riethgen geordnet. Da er eine große Familie hatte, standen finanzielle Probleme immer auf der Tagesordnung, weshalb er sich auch 1847 um eine höher bezahlte Stelle bewarb. Leitzmann blieb aber in Tunzenhausen. 1851 starb seine Ehefrau. Drei Jahre später heiratete er Wilhelmine Auguste Caroline Wahn. In den folgenden Jahren wurden zwei Kinder geboren. Die berufliche Tätigkeit als Pfarrer war nur die eine Seite dieses vielseitig interessierten Mannes, der sich neben der Heraldik, Philologie und Archäologie vor allem mit der Numismatik beschäftigte. Leitzmann war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften und dort aktiv tätig. 1827 erschien in Erfurt seine erste numismatische Arbeit, ein Verzeichnis der berühmten Münzsammlung des Dr. Beireis. Ein Jahr später veröffentlichte er sein zweites Werk: "Abriß einer Geschichte der gesamten Münzkunde oder Nachrichten von dem Münzwesen und den Münzen aller Völker, Fürsten und Städte der älteren, mittleren und neueren Zeit", ein allgemeiner Überblick über den damaligen Stand der Numismatik. Sein Hauptwerk begann 1834 mit der Herausgabe der ersten wissenschaftlichen Zeitschrift über die Numismatik. Seine "Numismatische Zeitung" erschien in der Folge alle 14 Tage über einen Zeitraum von 40 Jahren im Verlag von Friedrich Häßler in Weißensee. Jahrzehntelang hatte Leitzmann mit der Qualität der Lithografien und des Drucks seiner Zeitung zu kämpfen. Erst 1867 traten wesentliche Verbesserungen auf, doch jetzt bereiteten Leitzmann gesundheitliche Probleme Sorgen, weshalb der Verleger um Mitarbeit der Leser bat. Die Zeitung wurde in Titel und Inhalt um "für Wappen- und Siegelkunde" erweitert und erschien noch bis 1874. Trotz der angegriffenen Gesundheit erschienen in den letzten zehn Jahren seine wichtigsten Werke, u. a. 1869 "Wegweiser auf dem Gebiet der deutschen Münzkunde". Am 14. Juli 1871 wurde ihm anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen. Johann Jakob Leitzmann starb am 23. Oktober 1877 in Tunzenhausen an einem Nierenleiden. Sein Lebenswerk findet noch heute in Fachkreisen hohe Anerkennung. Leider sind die umfangreiche Bibliothek und die Münzsammlung mit ca. 23 600 Stücken nicht erhalten geblieben, sie wurden nach seinem Tod versteigert.