200 Jahre Industriegeschichte Sömmerda
17.03.17 10:19

Start ins Themenjahr mit Tag der offenen Tür im Archiv und Schaudepot am 02. April

Eine Patenturkunde für die Firma Kronbiegel-Collenbusch.

Blick auf die Tastatur einer Schreibmaschine im Schaudepot.

Nach dem Auftakt mit der Sonderausstellung auf der SÖM 2016, die vom Landratsamt gemeinsam mit dem Stadtarchiv und dem Museum im Dreyse-Haus erarbeitet wurde, startet Sömmerda mit einem kleinen Archivtag ins Themenjahr. Bis zum 150. Todestag von Nicolaus von Dreyse am 09. Dezember steht die Wirkungsmächtigkeit von Leben und Werk von Dreyses im Blickpunkt von Veranstaltungen zum Thema „200 Jahre Industriegeschichte Sömmerda“.  

Den Anfang macht der Tag der offenen Tür im Stadtarchiv Sömmerda und im Schaudepot am 02. April. Die Einrichtungen in der Uhlandstraße 28 und der Poststraße 18 gewähren an diesem Tag von 14:00 bis 17:00 Uhr Einblicke in die Bestände und die Arbeiten in Archiv und Depot in Form von Präsentationen und der Möglichkeit, mit Ehrenamtlern und Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

Zur Schau gestellt werden in den beiden Einrichtungen unter anderem Maschinen (zum Teil noch funktionstüchtig) aus der Produktion von Rheinmetall und BWS sowie Bauakten (darunter solche zu 100 Jahre Wasserturm und V-Bau), Patenturkunden sowie Zeitungen und Zeitschriften.   

Herausragendes Stück der Schau im Stadtarchiv ist ein Ratsprotokoll des Jahres 1817. Es enthält den Eintrag zur Aufnahme des Neubürgers Nicolaus Dreyse in die Stadtgemeinde. Dieses Dokument ist bei formaler Betrachtung Beleg für den Beginn von unternehmerischer Tätigkeit und somit von 200 Jahren Industriegeschichte in Sömmerda.

Warum? Unstrittig ist, dass am Beginn dieser Geschichte die wirtschaftliche Unternehmung von Nicolaus Dreyse und Friedrich Kronbiegel zur maschinellen Fertigung von Nägeln steht. Uneins ist sich die Forschung aber über den tatsächlichen Beginn der massenhaften Produktion.

Johann Nicolaus Dreyse erwirbt nachweislich am 05.03.1817 das Bürgerrecht (StadtA SÖM, Bestand B, N°5785, Bl.53r.). Bürgerrechte konnte er also vor März 1817 nicht für sich in Anspruch genommen haben. Das wiederum hat aber Konsequenzen für seine Geschäftsfähigkeit. Ihm, dem Nicht-Bürger, war nach der preußischen Städteordnung von 1808 schon die Ausübung eines Gewerkes nicht erlaubt (hier z. B. § 42 „Erlaubniß zum Gewerbsbetrieb“). Das gilt übrigens auch für den Geschäftspartner Friedrich Kronbiegel, der Erfurter Bürger war.
Zum Tag der offenen Tür werden über die Formalie hinaus weitere Quellen zur Diskussion gestellt.

Weitere Aktivitäten und Veranstaltungen im Rahmen des Themenjahrs sind unter anderem:

  • Erneuerungen am GedenkZeichenweg im Industriepark
  • die Teilnahme am bundesweiten Tag des offenen Denkmals, der unter dem Motto „Macht und Pracht“ steht - im Museum gibt es dazu Einblicke in bürgerliches Leben in Sömmerda sowie
  • die Sonderausstellung zur Industriegeschichte (Teil I und II) im Foyer der Thüringer Aufbaubank in Erfurt und zur SÖM (Teil II).